INTERVIEW DES MONATS

Dorothea Störr-Ritter - Landrätin Breigau-Hochschwarzwald

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
Geboren am Oberrhein und seit einigen Jahrzenten wieder hier wohnhaft bin ich bei dieser Frage natürlich befangen. Leichter beantworten könnte ich, was mich hier nicht fasziniert. Dazu fällt mich nämlich nichts ein. Faszinierend für uns ist sicherlich die Grenzlandsituation zu Frankreich und der Schweiz. Hier leben Menschen aus drei verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen historischen Prägungen und passen doch zusammen. Der alemannische Sprachraum verbindet genauso wie die geographische Lage im Herzen Europas. Das Leben der Menschen wurde seit Jahrhunderten geprägt durch die Auseinandersetzung mit dieser Lage, dem verbindenden Rhein als Schifffahrtsweg und den geographischen und klimatischen Vorgaben. Unter diesen Bedingungen waren und sind Lebensräume zu schaffen, in denen die Menschen wohnen können und Arbeit finden. Dies ist unter großen Anstrengungen mit enormer Leistungsbereitschaft, mit Erfindergeist und immer wieder Anpassung an neue Rahmenbedingungen gelungen. Und das gilt für die Menschen bis heute. Als Ausgleich zur Arbeit haben aber auch bis heute Lebensfreude und Genuss am Oberrhein schon immer einen hohen Stellenwert. Nicht zuletzt deshalb sind wir immer noch eine begehrte Zuzugsregion. Daran hat auch der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auch als familienfreundlicher Naherholungsraum einen beachtlichen Anteil, was mich natürlich freut. Und dabei muss es bleiben!

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus Ihrer Sicht!
Mit dem Arbeitsmarkt in der Region Südlicher Oberrhein bringe ich verschiedene Merkmale in Verbindung, zum Beispiel eine in den letzten Jahren sehr gute Arbeitsmarktentwicklung, die sich 2016 in Arbeitslosenquoten um 3 Prozent in den drei Landkreisen und von unter 6 Prozent in der Stadt Freiburg niederschlägt. Alles in allem konnte die Arbeitsplatzentwicklung in der Region mit den ungebrochen zunehmenden Zahlen der Wohnbevölkerung und der Erwerbspersonen gut Schritt halten. Ein weiteres Merkmal ist gerade im Raum Freiburg die relativ geringe Konjunkturanfälligkeit des Arbeitsmarkts. Rezessionen wirken sich dank des hohen Anteils tertiärer Arbeitsplätze geringer auf die Arbeitsplätze aus als im Bundes- oder Landesdurchschnitt, das Gleiche gilt natürlich spiegelbildlich für konjunkturelle Erholungsphasen. Nicht so erfreulich dagegen ist, dass die Fachkräftenachfrage in vielen Wirtschaftszweigen in der Region nicht befriedigt werden kann. Weite Teile der Industrie, aber auch Hotellerie, Speditionen oder die Gesundheits- und Pflegebranche sind bereits dramatisch betroffen. Auch bei den betrieblichen Ausbildungsplätzen hat sich der Markt gedreht und viele Ausbildungsstellen können nicht besetzt werden. Diese Entwicklungen machen mir Sorge. Jede Initiative gleich welcher Art, um hier gegenzusteuern, ist unabdingbar und hilfreich. Als Schulträger sind wir aufgefordert, alle sich über eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Schulen ergebende Möglichkeiten zu nutzen und auszubauen. Für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald als in weiten Teilen ländlich geprägten Umlandkreis gelten einige spezifische Feststellungen:
• Der Dienstleistungsanteil ist hoch, stark dominiert durch das Gesundheitswesen und durch das Gastgewerbe. Diese beiden Zweige herausgerechnet ist der Dienstleistungsbesatz eher niedrig. Vor allem für die produktionsorientierten Dienstleistungsarbeitsplätze ist die Großstadt der bevorzugte Standort.
• Wir haben eine starke Industrie, die – fast untypisch – nicht Arbeitsplätze abbaut, sondern von kleinen Konjunkturdellen abgesehen seit Jahren aufbaut. Es geht überwiegend um kleine und mittlere Betriebe, häufig in Familieneigentum, die sehr innovativ und oft unter den Marktführern ihrer Branche zu finden sind. Ein guter Branchenmix wirkt ausgleichend und hält die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt betrachtet stabil.
• Durch das Fehlen von Hochlohnbranchen wie dem Automobilbau liegen volkswirtschaftliche Kennziffern wie die Bruttowertschöpfung oder die durchschnittliche Lohn- und Gehaltssumme je Beschäftigten im Landkreis eher im unteren Bereich.

Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte? (z.B. Personalpolitik usw.)
In meiner Zeit als Abgeordnete und Rechtsanwältin war ich sechs Jahre Präsidentin des Bundes der Selbständigen in Baden-Württemberg, einem Verband mit damals ca. 30 000 kleinen und mittleren Unternehmen als Mitglieder. Vertraut war mir der Alltag einer Unternehmerfamilie schon seit meiner Kindheit durch den Handwerksbetrieb meines Vaters und das Kunstgewerbegeschäft meiner Mutter. Seite dieser Zeit haben sich der Alltag in den Betrieben und die Wettbewerbssituation für Betriebe sehr stark verändert. Während es vor 50 Jahren fast ausreichte, Qualität anzubieten, spielen heute die ständige Hinterfragung von Kundenwünschen und die dauerhafte Anpassung an diese, eine der größten Rollen. Kontinuierliche Marktforschung ist für alle Unternehmen ein „Muss“. Ebenso natürlich das richtige Marketing. Um auf alle Veränderungen immer rechtzeitig und aktiv eingehen zu können, würde ich einen ständigen Innovationszirkel aus Geschäftsleitung und Führungskräften einrichten. Dabei ist am aktuellsten sicher das Thema „Unternehmen im digitalen Wandel“ und dies nicht nur als Frage für Arbeitsvorbereitung und Produktion sondern auch als bedeutende Frage im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Mitarbeiter und die Unternehmenskultur. Spannend!

Interview Juli 2016

Ahmet Karademir - Geschäftsführer IG Metall Offenburg 

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
Am meisten fasziniert mich, dass bedingt durch unsere geografische Lage viele verschiedene Einflüsse zusammen kommen. Täglich begegnen mir die unterschiedlichsten Menschen. Jeder bringt seine eigenen Merkmale mit und das macht das Leben hier so interessant.

Sie sind Zugezogene/r:
Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf?

Ich stamme ursprünglich aus einer großen Stadt aus dem Norden von Baden-Württemberg. Hier ist die Automobilbranche eine der prägnantesten Branchen der Region. Als ich im Jahr 2007 zur Geschäftsstelle Offenburg gewechselt bin, sind wir in ein schönes „kleines Städtchen“ gezogen. Nun haben wir uneingeschränkten Blick auf Weinreben und eine Burg. Das ist der stärkste Unterschied, welcher mir aber sehr gut gefällt.

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus Ihrer Sicht!
Unser hiesiger Arbeitsmarkt wird stark durch Hiddenchampions geprägt. Wir haben viele gut ausgebildete Fachkräfte, welche wir weiter fördern müssen. Auch der Maschinenbau spielt in unserer Region eine wichtige Rolle. Circa 80 Prozent unserer Mitglieder kommt aus dem Bereich des Maschinenbaus.

Sie sind bei einer Institution tätig:
Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte? (z.B. Personalpolitik usw.)

Als Geschäftsführer der IG Metall Offenburg habe ich mir klare Schwerpunkte für meine tägliche Arbeit gesetzt. Selbstverständlich liegen diese Schwerpunkte sehr nahe bei den Interessen unserer Mitglieder. Nach der Beschäftigtenbefragung der IG Metall vom Frühjahr 2013 ergeben sich fünf Themenblöcke:
• Arbeitszeit und Flexibilisierung
• Vereinbarkeit von Arbeit und Leben
• Weiterbildung und berufliche Entwicklung
• alters- und alternsgerechte Arbeit
• Altersvorsorge und flexible Übergänge in die Rente
Diese Themenblöcke haben wir zu unseren Schwerpunkten erklärt, welche wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern erreichen möchten. Aktuell beschäftigen wir uns ebenfalls stark mit dem Thema Industrie 4.0.

Wenn Sie nicht die Position bekleiden würden, die Sie durch Ihren Lebensweg inne haben: Welchen Beruf würden Sie gerne ausüben, bzw. in welcher Branche wären Sie gerne tätig?
Diese Frage habe ich mir bisher noch nicht gestellt. Seit 1986 bin ich aktiver Gewerkschafter und arbeite mit Leidenschaft in meinem Beruf. Im Jahr 1999 habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und setze mich seither Tag für Tag gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen ein. Die IG Metall feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum. Ich freue mich sehr, dieses Ereignis für unsere Geschäftsstelle mitgestalten zu können.

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?

Wir hier im Süden arbeiten und leben dort, wo andere Urlaub machen.

Interview Mai 2016

Horst Sahrbacher - Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
Diese Region bietet eine sehr hohe Lebensqualität und zeichnet sich gleichzeitig durch eine hohe wirtschaftliche Dynamik aus. Ein fast mediterranes Klima und eine vielfältige Kulturlandschaft machen die Region zu etwas ganz Besonderem. Es gibt hier einen ausgewogenen Branchenmix mit zahlreichen mittelständischen Unternehmen, von denen einige zu den Weltmarktführern zählen. Die geografische Lage der Region Südlicher Oberrhein ist geprägt durch die Nähe zu Frankreich und der Schweiz. Diese nutzen wir dazu, ein Stück Europa „zu bauen“ indem wir Grenzen überschreiten und den Arbeitsmarkt europäisch gestalten.

Sie sind Zugezogene/r:
Ich wohne seit vielen Jahren in Malsch im Landkreis Karlsruhe und pendele täglich in die Ortenau.

Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf?
Die Region Straßburg Ortenau ist durch eine sehr intensive Netzwerkarbeit unterschiedlichster Partner auf der deutschen und französischen Seite des Rheins geprägt. Es gibt eine sehr enge Vernetzung von Unternehmen und Institutionen und dadurch gelingt es uns zunehmend ein kleines Stück Europa wahr werden zu lassen, in dem wir Menschen und Arbeit grenzüberschreitend zusammenführen. Die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Service für Arbeitsvermittlung durch die Agentur für Arbeit und Pôle Emploi ist sicherlich ein bedeutender Schritt hin zu einem Arbeitsmarkt ohne Grenzen.

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus Ihrer Sicht!
Der Arbeitsmarkt in der Ortenau zeichnet sich durch eine niedrige Arbeitslosigkeit aus. Gleichzeitig haben wir eine hohe Nachfrage nach Fachkräften und Auszubildenden. Da die Zahl der Schulabgänger leicht rückläufig und gleichzeitig der Trend junger Menschen zu einem möglichst hohen schulischen Bildungsabschluss ungebrochen ist, sind immer weniger Jugendliche auf der Suche nach betrieblichen (dualen) Ausbildungsplätzen. Hier ist es für unsere Region von ausschlaggebender Bedeutung, dass es uns gelingt, alle Potenziale auszuschöpfen. Die Qualifizierung von arbeitslosen und beschäftigten Menschen ohne Berufsabschluss muss ebenso in unserem Fokus stehen wie die Unterstützung von leistungsschwächeren Jugendlichen auf ihrem Weg zu einer dualen Ausbildung. Hier darf uns kein Jugendlicher verloren gehen. Außerdem sollten wir weiterhin konsequent alle Möglichkeiten nutzen, um französische Jugendliche aus dem Elsass für eine betriebliche Berufsausbildung in der Ortenau zu motivieren. Darüber hinaus haben wir in der Ortenau viele junge Flüchtlinge, die hier Schutz suchen und die sich in Deutschland eine Existenz aufbauen wollen. Wenn wir hier gezielt in die sprachliche und berufliche Qualifizierung dieser jugendlichen Flüchtlinge investieren, haben wir die Chance, in einigen Jahren aus diesem Potenzial gute Fachkräfte für die Ortenau zu gewinnen.

Sie sind bei einer Institution tätig: Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte? (z.B. Personalpolitik usw.)
Jedes Unternehmen braucht Innovationen und braucht auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Innovationen entwickeln und umsetzen. Deshalb wäre es mir wichtig, Mitarbeiter für die Unternehmensziele zu gewinnen und sie zu lebenslangem Lernen zu motivieren. Ein Schwerpunkt wären Investitionen in die Gewinnung und Ausbildung von Nachwuchskräften. Aber auch die berufliche Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit und ohne Berufsabschluss wären ein Fokus meiner Tätigkeit. Darüber hinaus würde ich gezielt Chancen nutzten, die die grenznahe Lage unserer Region zu Frankreich bietet, um dort Fachkräfte für den Betrieb zu gewinnen. Aber auch der Zuzug von Flüchtlingen sollte in erster Linie als Chance begriffen werden. Durch sprachliche und berufliche Qualifizierung kann dieser Personenkreis künftig ein großes Potenzial von Fachkräften sein.

Wenn Sie nicht die Position bekleiden würden, die Sie durch Ihren Lebensweg innehaben: Welchen Beruf würden Sie gerne ausüben, bzw. in welcher Branche wären Sie gerne tätig?
Schon angesichts meines Lebensalters ist dies für mich eine sehr theoretische Frage.

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?
Wir gehören zu den beneidenswerten Menschen, die in einer wirtschaftlich sehr dynamischen Region, mit landschaftlich reizvoller Umgebung mit hoher Lebensqualität leben und arbeiten dürfen, im Herzen Europas.