INTERVIEW DES MONATS

Frühling in Freiburg

Südbaden macht seinem Namen dieser Tage alle Ehre!
Die Sonnenstunden klettern nach oben und die Sonne lässt den langen kalten grauen Winter in Vergessenheit geraten.
Das Jahr hat in der FachkräfteAllianz Südlicher Oberrhein mit der Jahresvollversammlung im Februar gestartet.
Hierzu trafen sich Vertreter aller Mitglieder, um sich einerseits über den aktuellen Stand in den einzelnen Handlungsfeldern der FachkräfteAllianz zu informieren und andererseits in das Thema Digitalisierung 4.0 tiefer einzusteigen.
Hierzu durfte die FachkräfteAllianz Südlicher Oberrhein einen Experten aus dem regionalen Institut für Arbeitsmarkt und Beschäftigung (iab) begrüßen.
Interessant war zu sehen, dass durch Digitalisierung 4.0 insgesamt nicht so viele Arbeitsstellen wegfallen, wie allgemein befürchtet. Jedoch wird es einen Anstieg an benötigten Experten und Spezialisten geben, die die Maschinen bedienen. Durch Digitalisierung 4.0 ist die Herausforderung also nicht, dass die meisten Arbeitsplätze abgebaut werden, sondern vielmehr, dass die Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeitenden im Fokus steht.
Vertreter von HWK und südwestmetall zeigten anschaulich an Firmenbeispielen auf, dass die Digitalisierung nicht erst jetzt beginnt, sondern bereits schon begonnen hat und viele Firmen in Umsetzung der Herausforderungen aktiv sind. Bereits im ersten Quartal fand wiederholt das Unternehmensnetzwerk Südlicher Oberrhein „Vielfalt im Betrieb“ statt. Dieses mal unter dem Titel: Meine Attraktivität als Arbeitgeber entdecken. Neue Mitarbeiter/innen ansprechen und gewinnen! An der großen Zahl der teilnehmenden Arbeitgeber aus der Region wurde deutlich, dass bereits viele für dieses Thema sensibilisiert sind und bereits sind sich dieser Herausforderung zu stellen.

Interview März 2017

Philippe Maitreau - Président de Maison de l'Emploi et de la Formation

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein? 
Die Aktivität und der wirtschaftliche und geschäftliche Reichtum der Dörfer und Kleinstädte (zahlreiche Geschäfte und Unternehmen).

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Merkmale des Arbeitsmarktes?
Der dynamische jedoch zweifelsohne sehr kontrastreiche Arbeitsmarkt: Arbeitsplätze von sehr unterschiedlicher Qualität (bzgl. Dauer, Bezahlung, Stabilität, Zukunft...).

Sie handeln im Auftrag einer Institution: Wenn Sie Unternehmer wären, was wären Ihre Prioritäten (nach Thema, bspw. Personalpolitik)?
Die berufliche Qualifikation von Mitarbeitern, Kompetenzen (auch in anderen Bereichen als nur im Bereich der beruflichen Kompetenzen) und Anpassungsfähigkeit dieser Personen.

Welche Beschäftigung würden Sie, unter Berücksichtigung Ihres Lebenslaufes, gerne ausüben? Genauer, welche Branche würde Sie am meisten anziehen?
Aufbau von Unternehmen zwischen Frankreich und China.

Interview Februar 2017

Marco Sprengler - Geschäftsführer IG Metall Freiburg und IG Metall Lörrach  

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
Die landschaftliche Vielfalt, die wir in unserer Region geboten bekommen, fasziniert mich sehr. Auch die Nähe zu unseren Nachbarn Frankreich und Schweiz gibt der Region seinen offenen europäischen Flair, der uns in der Region prägt. Durch diese geografische Lage, sind grenzüberschreitende Arbeitsverhältnisse „normal“, was eine Bereicherung für den Arbeitsmarkt ist.

Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf.
Der Schwarzwald mit seinen Bergen hat gegenüber der Norddeutschen „Flachlandschaft" landschaftlich völlig andere Reize. Auch kulinarisch sind die Regionen sehr unterschiedlich. Was für mich eine große Freude ist, weil die Speisekarte dadurch mit gutem Essen zu Hause größer geworden ist. Auch die Weinberge vor der Haustür zu haben, einfach klasse.

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus meiner Sicht.
Der Arbeitsmarkt ist sehr vielfältig und stabil mit niedrigen Arbeitslosenzahlen. Unsere Industrieregionen sind ein riesiger „Mischwarenkonzern“, die Vielfalt der unterschiedlichen Unternehmen ist Bemerkenswert. Viele Betriebe sind mit Ihren Produkten führend auf dem Weltmarkt. In dem Zuständigkeitsbereich von mir, sind Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften in der Lage die erfreulicherweise kontinuierlichen wirtschaftlichen Höhen und manchmal auch Tiefen gemeinsam nachhaltig zu meistern. Alle betrieblichen Akteure und die Agentur für Arbeit waren in der Finanz- und Wirtschaftskrise, aus meiner Sicht, beispielhaft in der Zusammenarbeit um die Arbeitsplätze gemeinsam zu sichern. Die im Vergleich niedrigen Arbeitslosenzahl zum Rest der Republik zeigt auch wie interessant unser Standort hier in der Region ist.

Sie sind bei einer Institution tätig: Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte?
Das Unternehmen für alle Beschäftigten so nachhaltig aufstellen, dass die Herausforderungen der Zukunft mit der Belegschaft gemeinsam bewältigt werden. Durch diese nachhaltige Personalpolitik interessant sein für Fachkräfte. Wertschätzung für geleistetes an die Beschäftigten weitergeben und als Selbstverständnis platzieren. Durch gute Produkte den Markt bedienen, dabei ständig Forschung und Entwicklung für die zukünftigen Projekte fördern. Die Herausforderungen rund um Industrie 4.0 in Ruhe, aber mit dem Ziel in der neuen Digitalisierung für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Tarifgebunden und Mitglied im Arbeitgeberverband wäre das Unternehmen natürlich auch….

Wenn Sie nicht die Position bekleiden würden, die Sie durch Ihren Lebensweg inne haben: Welchen Beruf würden Sie gerne ausüben, bzw. in welcher Branche wären Sie gerne tätig?
Ich kann mir keinen besseren „Beruf“ vorstellen. Ich habe mein „Hobby“ zum Beruf machen dürfen.

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?
Leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen: In der „Toscana Deutschlands“

Interview Januar 2017

Dr. Dieter Salomon - Oberbürgermeister der Stadt Freiburg  

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein? 
Neben unserer wunderbaren landschaftlichen Lage mag ich vor allem den europäischen Charakter hier. Es ist für uns alle selbstverständlich, Ausflüge in das Elsass und in die Schweiz zu machen, und wir freuen uns auch über Besucher von dort. Wir sind eine Region im Herzen Europas, und das prägt meiner Ansicht nach auch die Haltung zu Europa, die eine positivere ist als woanders. Und das prägt auch den Arbeitsmarkt hier am Oberrhein, der durch grenzüberschreitende Arbeitsverhältnisse zusätzliche Möglichkeiten bietet.

Sie sind Zugezogener: Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf?
Die Fruchtbarkeit des Bodens: Aus dem Allgäu kannte ich nur Milchwirtschaft. Hier gibt es Obst, Gemüse, Getreide und vor allem Weinbau… Herrlich!

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus Ihrer Sicht! 
Das prägnanteste ist sicherlich, dass wir hier keine typische Industrieregion sind wie zum Beispiel im Stuttgarter oder Mannheimer Raum, sondern eher eine Dienstleistungs- und Wissenschaftsregion. Schließlich ist ein sehr starker Arbeitsmarktbereich in der Region alles, was mit Gesundheit und Rehabilitation zu tun hat, ausgehend von der Freiburger Uniklinik. Damit ist auch die herausragende Bedeutung der Universität mit ihren Instituten, Auslagerungen und Start-Ups einbezogen. Freiburg ist sicherlich auch in Hinsicht auf eine innovative Umweltwirtschaft ein starker Motor für die ganze Region.

Sie sind bei einer Institution tätig: Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte? (z.B. Personalpolitik usw.)  
Das Amt eines Oberbürgermeisters einer mittleren Großstadt ist dem Job eines Unternehmers gar nicht so unähnlich: Die Verwaltung ist mehr oder weniger auch ein „Konzern Stadt", mit vielen städtischen Gesellschaften und Beteiligungen. Es gilt in beiden Fällen, das Unternehmen ständig weiter zu entwickeln und neue zukunftsfähige Projekte anzustoßen und gleichzeitig das Kapital, zum Beispiel die Infrastruktur des Unternehmens, kontinuierlich zu pflegen. Denn es ist wichtig, auch die nächste Generation mit zu denken, und das heißt für mich: nachhaltig denken.

Wenn Sie nicht die Position bekleiden würden, die Sie durch Ihren Lebensweg inne haben: Welchen Beruf würden Sie gerne ausüben, bzw. in welcher Branche wären Sie gerne tätig?
Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen!

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?
… sind alle stolz auf unseren Bundesligaverein SC Freiburg, der unsere Region nicht nur in sportlicher Hinsicht hervorragend vertritt, sondern auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und die Identifikation in der Region hat.

Interview Dezember 2016

Rückblick der FachkräfteAllianz auf das jahr 2016 

Die FachkräfteAllianz Südlicher Oberrhein kann auf ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr 2016 zurück blicken. Wir freuen uns über den immer stärker werdenden Zuspruch in der Region und über die Region hinaus!

Gerne wollen wir das Interview des Monats Dezember dafür nutzen, das Jahr 2016 Revue passieren zu lassen. Ausgewählte Themen und Aktivitäten stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

Beim Thema Ausbildung konzentrierten sich die Partner im Jahr 2016 auf die Elternarbeit und die Einbeziehung aller Schulformen für die Werbung der dualen Ausbildung. Die Partner suchten hierfür den Austausch mit Regierungspräsidium und staatlichem Schulamt. Durch die Offenheit auf beiden Seiten konnten neue Ideen entwickelt und Synergieeffekte genutzt werden.

Die Frage wie man das Erwerbspersonenpotential in der Region erhöhen kann, erhielt im Herbst den Schwerpunkt Migration. Aufgrund der Herausforderung der Aufnahme geflüchteter Menschen stellt sich auch die Frage der langfristigen Integration in den Arbeitsmarkt. Wie kann es gelingen darüber hinaus allgemein Migranten stärker in den Arbeitsmarkt mit einzubeziehen und deren Erwerbspotential für die regionale Wirtschaft zu gewinnen. Mit dieser Fragestellung wollen sich die Partner intensiv in der nächsten Zeit beschäftigen.

Im regen Austausch über Projekte zum Thema gezielte Zuwanderung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit entwickeln die regionalen Akteure Ideen, um aufgebaute Strukturen durch geförderte Projekte nach Ende von Förderphasen weiter nutzen zu können und auszubauen.

Ende Januar war die FachkräfteAllianz zum vierten Mal auf der zweitgrößten Ausbildungs- und Arbeitsmesse in Frankreich vertreten. Auf dem Salon Regional Formation Emploi in Colmar ermöglichte die FachkräfteAllianz vielen deutschen Unternehmen direkt mit französischen Bewerbern in Kontakt zu kommen. Bzw. vielen französischen Arbeitssuchenden mit deutschen Unternehmen als potentielle Arbeitgeber Gespräche zu führen. Hierbei wird die gute Zusammenarbeit der französischen und deutschen Partner innerhalb der FachkräfteAllianz deutlich, durch die dieses positive Hineinwirken in die Arbeitsmärkte zweier Nationen erst ermöglicht wird. Auch Ende Januar 2017 wird die FachkräfteAllianz Südlicher Oberrhein wieder in Colmar/ Frankreich zusammen auftreten.

Im Februar konnte die FachräfteAllianz den Leitfaden zur Integration in Arbeit und Ausbildung am Südlichen Oberrhein auf der Webseite online stellen. Viel Zuspruch von Seiten unterschiedlichster Stellen erhielt die FachkräfteAllianz zu diesem gut strukturierten und mit regionalen Ansprechpartnern ausgestatteten Leitfaden. Eine Aktualisierung im Hinblick auf die gesetzlichen Änderungen wird für Anfang 2017 erwartet.

Mit der Jobmesse Gesundheit und Pflege 2016 hat die FachkräfteAllianz den Schritt auf die Messe Freiburg gewagt. Nach bereits erfolgreicher Durchführung in begrenzterem Rahmen, konnte in der Messe Freiburg ein starker Partner in Sachen Messe gewonnen werden. Aufgrund des positiven Fazits für 2016 wird auch 2017 wieder die Jobmesse Gesundheit und Pflege in einer eigenen Halle parallel zur Gesundheitsmesse stattfinden.

Mit dem Unternehmensnetzwerk Vielfalt im Betrieb fand in diesem Jahr gleich zwei Mal ein Netzwerktreffen für Unternehmen statt. Schwerpunkte waren u.a. die Themen „Kulturelle Vielfalt – Internationale Fachkräfte und Flüchtlinge integrieren“ und „Außergewöhnlich gut integrieren – Besondere Mitarbeiter/innen im Blick“. Und bereits für 2017 sind weitere Aktivitäten geplant.

Die FachkräfteAllianz Südlicher Oberrhein wünscht Ihnen eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Interview November 2016

Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Winfried Lieber - Rektor der Hochschule Offenburg

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
In erster Linie ist es die Attraktivität der Region, die aus vielen Facetten gespeist wird und mich deshalb in ihrer Gesamtheit so fasziniert. Leben in der genauso beeindruckenden wie abwechslungsreichen Landschaft am Oberrhein im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Frankreich ist ein einmaliges Qualitätsmerkmal, das ich immer wieder gern aufs Neue erfahre. Der Schwarzwald lädt zu ausgedehnten Touren mit dem Mountainbike ein, das Oberrheingebiet mit seinen hübschen Städten und Orten steht für die kulturelle Vielfalt und eine abwechslungsreiche Geschichte.
Hinzu kommt das Privileg, in einer der bundesweit stärksten Wirtschaftsregion mit höchst erfolgreichen Unternehmen, die meist mittelständisch geführt sind und unter denen sich zahlreiche Weltmarktführer befinden, arbeiten zu dürfen. Gerade dieser Aspekt beeinflusst meine Arbeit in ganz besonderer Weise, denn eine regionale Hochschule wie die Hochschule Offenburg ist von einem engen Dialog und einer vielseitigen Zusammenarbeit mit den Unternehmen zur Förderung der beiderseitigen Attraktivität von Wirtschafts- und Hochschulstandort abhängig. Und dabei gilt eben, je erfolgreicher die Unternehmen, umso größer ist unser Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Hochschulstandorten. In wenigen anderen Regionen Europas sind die wirtschaftlichen Aussichten so positiv wie in unserer Region.

Sie sind Zugezogene/r:
Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf?

1992 bin ich mit meiner Familie aus der offiziell „schönsten Region Deutschlands“, dem Landkreis Starnberg, hierher in die Ortenau gezogen. Angesichts der herrlichen Landschaft zwischen Rhein, Reben und Schwarzwald trat anstelle der anfänglichen Skepsis schnell die Begeisterung für Land und Leute. Die Lebensqualität ist unvergleichbar einzigartig – nur der See fehlt noch ab und zu.
Ein ganz grundsätzlicher Unterschied liegt natürlich darin, dass das Leben in einer Großstadt spürbar hektischer ist als in einem doch eher ländlich geprägten Raum. „A city that never sleeps“ kann man mögen, muss es aber nicht. Andererseits punktet natürlich eine Metropole wie München bei vielen anderen Kriterien wie Infrastruktur, Kulturangeboten bis hin zu einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr.

Prägnante Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes aus Ihrer Sicht!
„Köpfe“ sind der Goldstandard im Innovationsgeschehen einer Region. Köpfe, das sind hoch-qualifizierte Fachkräfte, Techniker, Meister, betrifft aber auch angelernte und möglicherweise sogar ungelernte Kräfte. Nun, Regionen stehen im Wettbewerb, das ist sicherlich nichts Neues – aber angesichts des demografischen Wandels und des internationalen Wettbewerbs um Arbeitskräfte wird sich diese Entwicklung auch am Südlichen Oberrhein verschärfen. Mitkoppelnd wirken sich aktuell besonders stark der Wandel beziehungsweise die Megatrends in Wirtschaft und Technologien aus. Nehmen Sie beispielsweise nur die Themen Big Data, Digitale Technologien oder additive Fertigungsverfahren.

Sie sind bei einer Institution tätig:
Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte? (z.B. Personalpolitik usw.)

Hochschulen sind heute weitgehend autonom. Sie entscheiden eigenständig im Rahmen ihrer Governancestruktur und der Landeshochschulgesetze über alle Belange ihrer Leistungsbereiche in Lehre, Studium, Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung. Die Hochschule Offenburg ist heute ein Unternehmen mit fast 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Budget liegt bei etwa 40 Millionen Euro jährlich, wovon aber lediglich ein Drittel als Grundfinanzierung gesichert ist. Deshalb korrespondiert die unternehmerische Verantwortung eines Hochschulrektors für alle profilbildenden Schwerpunkte einschließlich deren Finanzierung schon lange nicht mehr mit der ohnehin angestaubten Vorstellung eines Behördenleiters. Mit anderen Worten: Die Frage, ob ich gern Unternehmer wäre, stellt sich mir gar nicht. Eine Hochschule ist zwar kein Unternehmen, muss aber unternehmerisch denken – allem voran der Rektor.

Wenn Sie nicht die Position bekleiden würden, die Sie durch Ihren Lebensweg inne haben:
Welchen Beruf würden Sie gerne ausüben, bzw. in welcher Branche wären Sie gerne tätig?

Auch nach vier Jahren als ordentlicher Professor, vier Amtszeiten mit nun fast 20 Jahren als Rektor denke ich immer noch gern an meine Tätigkeit in der Industrie zurück. Die Arbeit im Führungskreis eines Konzerns auf dem Gebiet der Telekommunikationstechnik hat mir sowohl von der fachlichen Ausrichtung als auch von der hohen Verantwortung stets Freude, Zufriedenheit und Erfüllung bereitet – diesen Beruf habe ich gern ausgeübt. Ich könnte mir schon vorstellen, meine damalige Arbeit wieder aufzunehmen Die Bedeutung von schnellen Datenautobahnen ist in Zeiten von Internet und Industrie 4.0 nur noch interessanter geworden.

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?
Savoir-vivre.

Interview Oktober 2016

Hanno Hurth - Landrat Emmendingen  

Was fasziniert Sie am meisten an der Region Südlicher Oberrhein?
Von der Landschaft, der kulturellen Vielfalt, der hohe Lebensqualität und dem attraktiven Wirtschaftsstandort bin ich immer wieder begeistert. Die Region Südlicher Oberrhein bietet auf 4.062 Quadratkilometern mit der Oberrheinebene, dem Kaiserstuhl, der Vorbergzone und dem Schwarzwald eine reizvolle Landschaft und lockt mit dem milden Klima nicht nur Touristen und Fachkräfte an. Der Südliche Oberrhein ist auch für rund 50.000 Unternehmen ein idealer Standort im Herzen Europas, in unmittelbare Nähe zu Frankreich und der Schweiz. Zudem ist unsere Region Lebensmittelpunkt für über eine Million Einwohner und Arbeitsplatz für nahezu 410.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Herr Landrat Hurth, Sie sind Zugezogener. Was fiel Ihnen zum Unterschied zu Ihrer Heimatregion am stärksten auf?
Im Vergleich zu meiner Geburtsstadt Wiesbaden, die zur Metropolregion Frankfurt Rhein-Main zählt, oder meinen beruflichen Stationen im Raum Stuttgart ist die Region Südlicher Oberrhein mit 262 Einwohner pro km² ländlicher geprägt und etwas strukturschwächer als bevölkerungsreichere Ballungsräume. Geografisch an der französischen Grenze gelegen, sind hier industrielle Großbetriebe historisch bedingt nicht vorhanden. Inmitten der Metropolregion Oberrhein hat sich der Südliche Oberrhein dennoch als bedeutender Wachstumsraum profiliert und bietet mit den Oberzentren Freiburg im Breisgau und Offenburg sowie den Mittelzentren wie Emmendingen und Waldkirch gute Voraussetzungen. Dass es uns seit Jahren wirtschaftlich gut geht, hat viel mit den mittelständischen Unternehmen zu tun, die häufig zu den Marktführern ihrer Branche gehören.

Was sind aus Ihrer Sicht die prägnanten Kennzeichen des hiesigen Arbeitsmarktes?
Wir dürfen uns seit Jahren über einen stabilen Arbeitsmarkt und konstant niedrige Arbeitslosenzahlen von derzeit rund vier Prozent freuen. Im Landkreis Emmendingen beträgt die Arbeitslosenquote sogar nur rund drei Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in den letzten zehn Jahren um 21 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen drei Jahren die Zahl der freien Stellen um mehr als 50 Prozent auf 8.200 Stellen erhöht. Diese Entwicklung führt in einigen Branchen zu einem starken Fachkräftemangel. Zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist deshalb auch weiterhin ein gemeinsames Vorgehen in der Fachkräfteallianz Südlicher Oberrhein unerlässlich.

Sie sind als Landrat vom Landkreis Emmendingen tätig:
Wenn Sie Unternehmer wären, wo lägen Ihre thematischen Schwerpunkte?

Dies hängt von der Branche ab. Aber ich freue mich, dass immer mehr Unternehmen einen Schwerpunkt in der Ausbildung junger Fachkräfte sehen. Einige Firmen beschäftigen auch anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber. Damit Integration gelingt, müssen Politik, Wirtschaft und Verwaltung ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet noch verstärken und enger zusammenarbeiten.

Was fällt Ihnen bei dem Satz: „Wir hier im Süden!“ ein?
Ich finde der Begriff „Südwesten“ passt besser. Wir im Südwesten leben in einer Region, in der andere Urlaub machen.